Landschaftspläne
Der ehrenamtliche Naturschutz
kritisiert scharf das Beteiligungsverfahren bei der Aufstellung von Landschaftsplänen
Im Zusammenhang mit der Beratung
zum Landschaftsplan "Lienen" befaßte sich der Landschaftsbeirat auf Anregung
des Vorsitzenden Rainer Seidl hin auch mit dem Beteiligungsverfahren bei den anstehenden
Landschaftsplänen.
Dr. Gerdemann aus Saerbeck,
langjähriger Vorsitzender des Landschaftsbeirates, beschrieb die Mitarbeit bei der
Aufstellung des ersten Landschaftsplanes "Grevener Sande". Seidl, Mettingen,
berichtete von seinen Erfahrungen bei der Erarbeitung des folgenden, inzwischen ebenfalls
rechtskräftig gewordenen Planes "Schafbergplatte". Beide waren sich einig, dass
die erfolgreiche Verabschiedung der Pläne in erster Linie ein Ergebnis der ständigen gemeinsamen
Arbeit von Vertretern der Landwirtschaft und des amtlichen und ehrenamtlichen
Naturschutzes war. Je nach spezieller Thematik wurden damals Fachleute z.B. der Bereiche
Jagd, Abgrabung, Fischerei usw. hinzugezogen. In allen Arbeitsgruppen, zu welchen
Einzelthemen auch immer, wurden beide Positionen dargestellt, diskutiert und unter der
umsichtigen Leitung der Kreisverwaltung rang man um Kompromisse. Entscheidend war dabei,
dass jeder Teilnehmer stets mit den Problemen der anderen Seite vertraut war und die
gemeinsame Arbeit immer die volle gegenseitige Information gewährleistete.
Deutliche Besorgnis und Skepsis
zeigten die Beiratsmitglieder bei der Vorstellung des jetzigen Verfahrens der Verwaltung
bei den anstehenden Landschaftsplänen. Wenn Arbeitskreise ausschließlich aus Vertretern
einer Interessensrichtung zusammengesetzt tagen, gleichgültig ob es sich um
Landwirtschaft oder Naturschutz oder eine andere Gruppierung handelt, wurde die große
Gefahr gesehen, dass frühzeitig extrem einseitige Positionen eingenommen werden, die
später kaum noch Kompromisse zulassen. Gegenseitige umfassende Information, Verständnis
für Argumente und Bedürfnisse der anderen Seite dürften dann nur noch sehr
eingeschränkt zum Zuge kommen.
In der derzeitigen aufgeregten
Konfrontation im Verfahren "Emsaue Nord" wird das Ergebnis dieser vom Beirat
kritisierten Arbeitsweise gesehen.
Die Beiratsmitglieder der
Landwirtschaft lehnten in der Sitzung den Entwurf zum Landschaftsplan "Lienen"
ab, weil ihrer Meinung nach dem Naturschutz zu viel Raum gegeben wurde. Die Vertreter der
Naturschutzverbände lehnten die Vorlage ebenfalls ab, weil die Interessen des
Naturschutzes nur unzureichend berücksichtigt werden.
Gemeinsame Vorgespräche hatte es in
beiden Fällen nicht gegeben.
Die Arbeitskreise der Landwirtschaft tagen
schon lange und intensiv, ebenso wurden die Vertreter der Jagd, der Wassersportverbände
und die Reiter beteiligt. Die Entwürfe für die Landschaftspläne "Emsaue Nord"
und für "Lienen" liegen vor. In der Emsaue wurden bereits mehr als 50% der
vorgeschlagenen Landschaftsschutzgebiete wieder gestrichen. Danach wurde zum ersten
mal der Arbeitskreis für den ehrenamtlichen Naturschutz einberufen.
Seidl weist in einer Presseerklärung auf
die Formulierung des Landschaftsgesetzes § 16(1) zum Landschaftsplan hin, wonach die
" ... Ziele und Grundsätze des Naturschutzes und der Landschaftspflege darzustellen
und rechtsverbindlich festzusetzen" sind nicht etwa die Ziele der
Landwirtschaft!
Der Landschaftsbeirat des Kreises
Steinfurt hat mehrheitlich beschlossen, die Verwaltung aufzufordern, die Arbeitskreise
für die Aufstellung der Entwürfe für die Landschaftspläne grundsätzlich mit den
Vertretern aller betroffener Interessen zu besetzen. Landwirtschaft, amtlicher und
ehrenamtlicher Naturschutz sind in allen Belangen zu beteiligen.