Arbeitsgemeinschaft für Naturschutz Tecklenburger Land e. V. -Geschäftsstelle- Bahnhofstr. 73, 49545
Tecklenburg |
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Kommt der Kiebitz auf die "Rote Liste" ? |
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Interessante neue Erkenntnisse über den Kiebitz bot der Vortrag am 13. März 2000. Nachdem die Diplombiologin Imogen Blühdorn (Universität Münster) Aussehen und Lebensweise des taubengroßen Watvogels mit anschaulichen Lichtbildern dargestellt hatte, bildete die aktuelle Gefährdung dieser heimischen Vogelart den Schwerpunkt ihres Vortrages. |
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Ehemals in großen Schwärmen häufig und weitverbreitet, machten dem auffälligen Vogel die veränderten landwirtschaftlichen Techniken in den 50er Jahren zu schaffen, vor allem die Drainierung seiner ursprünglichen Kernlebensräume: die feuchten Wiesen und Moore. Aber es gelang ihm, sich anzupassen, indem er nun vermehrt auf Äckern brütete, und die Bestände erholten sich weitgehend. Der dramatische Einbruch der Kiebitzpopulation geschah erst in den 70er und 80er Jahren: zwischen 1970 und 1994 ist die Zahl der Kiebitze im Münsterland um mehr als die Hälfte zurückgegangen, wie genaue Zählungen belegen. Diese Entwicklung führte die Referentin auf den massiven Intensivierungsschub in der Landwirtschaft zurück. Vor allem die geradezu explosive Ausweitung des Maisanbaus im Münsterland wurde für den Kiebitz zum Verhängnis. Mit dem Beginn der Brutzeit für den Vogel im März setzt auch die Feldbearbeitung ein. Das erste Gelege fällt der Gülleausbringung zum Opfer. Das Kiebitzpaar ersetzt es durch ein Nachgelege, das dann untergepflügt wird. Auch ein drittes oder viertes Gelege wird durch Egge und Maisauslegung vernichtet. Aber selbst wenn es gelingt, trotz all dieser Widrigkeiten oder weil der Landwirt besonders umsichtig handelt, Küken zu erbrüten, haben diese nur denkbar schlechte Überlebens-Chancen. Die Jungvögel werden nicht von den Elterntieren gefüttert, sondern suchen sich vom ersten Lebenstag an selber kleine Insekten und deren Larven von einer Vielzahl von Pflanzen. Genau aber diese "Unkräuter" fehlen im Maisacker, weil sie systematisch chemisch bekämpft werden. Auch über die natürlichen Feinde des Kiebitzes wusste Frau Blühdorn Interessantes zu berichten. Beeindruckt waren die zahlreichen Zuhörer des Vortrages vor allem von dem technischen Aufwand bei den Untersuchungen. So wurden eine große Zahl von Nestern mit "Temperatur-Loggern" versehen; das sind kleine Wärmefühler angeschlossen an einen streichholzschachtelgroßen Minicomputer. Sie geben Auskunft darüber, wann Eier, Küken oder Altvögel im Nest sind. Wie die Auswertungen ergaben, wurden alle vernichteten Bruten bei Nacht geplündert. Infrarot-Videoaufnahmen belegten die Vermutung, dass Eier oder Küken vor allem Fuchs und Iltis zum Opfer fielen. Auch Wanderratten gehören vermutlich zu den Fressfeinden. In keinem Fall wurde der Kiebitznachwuchs durch Elstern oder Krähen erbeutet. Bei allen Beobachtungen gelang es den erwachsenen Kiebitzen, diese Rabenvögel zu verjagen. Nach Auffassung der Biologin wird der Einfluss der Rabenvögel auf den Kiebitzbestand bei weitem überschätzt. Der anhaltende Rückgang der Kiebitze hat inzwischen dazu geführt, dass dieser ehemals massenweise auftretende Vogel die Vorwarnstufe der "Roten Liste" der gefährdeten Tiere in NRW erreicht hat. |
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